Laberei, Tutorials

Mappensichtung beim Splitter Verlag

Seit 2006 veröffentlicht Splitter frankobelgische, europäische und US-amerikanische Genre-Comics und Graphic Novels. Aus zunächst zwei monatlichen Novitäten sind mittlerweile 15 geworden. Zuwachs erhielt der Verlag außerdem im Herbst 2010 in Gestalt des neu gegründeten Funny- und Cartoon-Imprints Toonfish, der Verlagsheimat der Schlümpfe.

https://www.splitter-verlag.de/info/ueber-uns.html, Aufruf 2.4.2019

Auf der Leipziger Buchmesse/Manga Comic Con 2019 durfte ich mich mit einen der Gründer vom Splitter Verlag unterhalten, zur genaueren Geschichte des Verlages verweise ich auf deren Webseite und Wikipedia. Horst Gotta war so lieb mir mehr über meinen Themenschwerpunkt Mappensichtungen von Portfolios beim Splitter Verlag zu erzählen. Es ging vor allen um den Erstkontakt bei Messen und wie die Prozesse danach eigentlich ablaufen. Davor hatte ich einem Gespräch mit Kai Meyer und Jurek Malottke am schwarzen Sofa gelauscht, die gemeinsam beim Verlag als Autor-Künstler Duo die Graphic Novel „Das Fleisch der Vielen“ veröffentlichten.

Der Splitter Verlag hatte auf der Buchmesse einen zweigeteilten Aufbau. Auf der einen Seite waren die Künstlerinnen und Künstler für Signierstunden und auf der anderen Seite die Verkaufsfläche. Kaum trat man in die Manga/Comichalle begrüßte einen der Verlag mit seinen KünstlerInnen. Auf Messen wird sich viel Zeit für Kritik bei Erstsichtungen genommen, aber trotz alledem befindet man sich in der Hektik der Messe und ein Gespräch ist nur der erste Kontakt. Gespräche auf den Messen dauern bei Splitter für gewöhnlich eine halbe Stunde mit Luft nach oben. Es sind keine Mappensichtungen ausgeschrieben und man schaut einfach vorbei. Der Verlag wurde von Comickünstlern gegründet, die ihn noch immer leiten. Die beiden machen inzwischen nur mehr Comiccover, besonders bekannt sind Horst und Dirk für die Innenillustrationen und Titelbilder der Reihe Perry Rhodan. Hinter dem Verlag selbst stehen also Künstler, was einen großen Vorteil gegenüber anderen Verlagen birgt. Es sind Ansprechpersonen vorhanden, die die Situation eines jungen Künstlers nachvollziehen.

Die Leute von Splitter können auf der Messe einfach angesprochen werden. Ein Erstkontakt wird mit Mappe geschaffen und die Werke sowie Ideen hergezeigt. Für gewöhnlich setzt sich eine solche Mappen aus Plots, Ideen, Skripten, anderen Comics sowie einen Gesamtportfolio zusammen. Wird Potential gesehen werden die Kontaktdaten der Redaktion weitergegeben. Es ist wichtig sich bei der Kontaktaufnahme per Mail auf das Gespräch zu beziehen. Eine Kooperation mit einem Verlag ist immer eine Zusammenarbeit mit gemeinsamen Erwartungen und Zielen. Wird man an die Redaktion weitergeleitet ist es normal nicht nur eine Idee zu haben, sondern auch schon min. 2 Probeseiten für eine potentielle Veröffentlichung über die verhandelt wird. Der Erfolg einer solchen Mappensichtung zeigt sich also streng genommen erst im Nachhinein, deshalb ist Verlässlichkeit ein wichtiger Faktor. Horst Gotta meinte, dass Kunstschaffende sich auch nach einer positiven Reaktion nicht auf einen Verlag festklammern sollten, sondern sich umsehen, um die Option zu finden die am besten zu der Geschichte passt. Gerade dadurch kann echte Verlässlichkeit und eine gute Zusammenarbeit entstehen, denn wenn jemand wirklich zu Splitter will, dann bleibt er auch dort. Es ist ein Deal mit zwei Seiten. Der Künstler zeichnet und bringt seine Werke zum Verlag, dieser übernimmt den Vertrieb und anderes. Hier unter diesem Link gibt es eine Zusammenfassung über die Verlagsaufgaben, jedoch mehr aus der Büchersicht.

An den Verlag selbst wird nur das deutschsprachige Lizenzrecht verkauft. Der Vertrag hat in der Regel eine Laufzeit von 3-5 Jahren. Wenn dies abläuft wird in Einzelverhandlungen geklärt was mit möglichen Restbestand passiert, aber das Lizenzrecht fällt an den Künstler zurück. Splitter investiert dieselbe Menge an Geld, die der Autor durch den Verkauf vom Lizenzrechten bekommt als Anlage für Werbung. Es wird also gleich zweimal im Vorhinein in ein Werk investiert, natürlich kommen dann noch andere Dinge wie Logistik, Produktion und all dies hinzu. Ein Verlag erleichtert den Vertrieb eines Comics und das vor allen durch einen Vertrauensvorschuss in die Geschichte, ebenso natürlich durch den Vertrieb an sich, inklusive Logistiknetzwerk. Splitter hatte von Anfang an deutsche Künstler im Programm, aber weil sich dadurch eine Entkopplung ergibt, wurde das erste deutsche Buch erst im zweiten Verlagsjahr produziert. Mit Entkopplung ist das zeitversetzte Comic zeichnen lange vor dem eigentlichen Vertrieb gemeint. Ein Comic muss logischerweise vor einer Publikation vorhanden sein. Übrigens, wichtig beim Zweitkontakt sind nicht viele Ideen sondern Kontinuität. Zeichnende sollten sich sicher sein. Viele Künstler arbeiten oft an zwei verschiedenen Serien, damit sie im Leben auch etwas Abstand von den monatelangen bis jahrelangen Arbeiten an einer Serie gewinnen. Es darf nicht vergessen werden, dass je erfolgreicher eine Serie wird, desto enger wird auch das Korsett wohin es als nächstes hingehen kann. Horst Gotta betonte wie wichtig dem Verlag auch die Verknüpfung von deutschen Zeichnerinnen und Zeichnern ist. Sie versuchen ihre Neueinsteiger mit anderen zu vernetzen, damit ein Austausch entsteht. Dies schien, meiner Meinung nach, besonders im Messeumfeld als eine hervorragende Taktik.

Frauke Berger, eine junge Zeichnerin, gab auf der Messer Signierstunden ihres Werkes Grün. Mit ihr habe ich auch ein wenig geredet. Sie hob vor allen die Geborgenheit beim Verlag hervor. Dass man sich mit Problemen immer an jemanden wenden konnte und Unterstützung erhielt, da eben selbst Künstler hinter allem standen. Der Verlag sieht sich als kleine stetig wachsende Familie und bringt für gewöhnlich 5-6 deutsche Veröffentlichungen pro Jahr auf den Markt.

Ich bedanke mich vielmals bei Horst Gotta für all die Ausführungen und Erklärungen und Frauke Berger für das nette Gespräch. Ich hoffe dieser Artikel bietet auch anderen einen interessanten Blick in das Graphic Novel Genre. Ich selbst werde in Zukunft noch genauer auf die Zusammenarbeit von Autoren und Künstlern eingehen, inspiriert vom Talk von Kai Meyer und Jurek Malottke. Auch werden noch weitere Artikel in dieser Reihe veröffentlicht, bleibt gespannt 😉

5 Gedanken zu „Mappensichtung beim Splitter Verlag“

  1. Hey Akai, äußerst interessant. Ich hatte überlegt dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse zu fahren und mein (noch WIP) Comic bei Splitter vorzustellen. Dein Bericht wird mir bestimmt nächtes Jahr gut helfen. Danke!
    Habe ich es richtig verstanden. Die Comics müssen nicht mal fertig im Ansatz fertig sein?

    Gefällt 1 Person

    1. Die Idee sollte da sein und gut 🙂 Viel wichtiger zu Beginn! Und natürlich sowas wie ein Überblick deines Könnens. Ich kann von anderen Mappensichtungen sagen, dass etwas Fertiges das darüber reden erleichtert – ein anderer gedruckter Comic, eine Richtung in die man gehen will, andere Veröffentlichungen. Da tut sich der Verlag auch viel leichter zu sehen mit wen sie es zu tun haben, aber ich kann nicht für den Verlag selbst sprechen, logischerweise. Im Gespräch hat es sich angehört als würde zuerst einmal geschaut werden ob eine Zusammenarbeit sich anbietet, sowas wie ein erstes Beschnuppern auf persönlicher Ebene. Eine Comiczusammenarbeit kann ja über Jahre dauern und dann wäre es doch blöd, wenn die eigene Serie und man selbst nicht so reinpasst, oder es vielleicht noch zu früh ist – das eigene Durchhaltevermögen nicht reicht oder anderes. Ich drück dir aber auf jeden Fall feste die Daumen und das dich das Gespräch dann weiterbringt. Sie waren wirklich total lieb. Aus meiner Sicht ist ein Feedback von Verlagsseite auch auf persönlicher Ebene etwas total Hilfreiches, selbst wenn sich keine Publikation ergibt ^^

      Gefällt 1 Person

      1. Klasse vielen Dank für die aufmunternde Worte. Ich werde nächstes Jahr auf jedem Fall es versuchen, vermutlich ist es bei andere Verlage ähnlich, hast du da auch Erfahrung sammeln können?

        Gefällt 1 Person

      2. Ich hab mit ein paar geredet 🙂 aber mehr Mangarichtung. Vor allen mit den Leuten die dort hin sind, darüber blogg ich aber auch noch in der Zukunft wenn ichs mal besser zusammengefasst hab.

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.