Laberei

Inspiration and Art Stealing

Inspiration oder doch schon Diebstahl? Wo verläuft diese schmale Grenze? Und rechtfertigt ein Stildiebstahl wirklich eine große Hetzjagd?

Ich habe Anfang des Jahres eine kleine Auseinandersetzung zwischen zwei größeren Anime/Manga Artists auf Instagram mitbekommen, die anscheinend schon 2,3 oder mehrere Jahre her ist. Aus irgendeinen Grund hat eine das wieder aufgewärmt und sie haben eben nicht direkt darüber geredet, sondern den Bitch Fight über ihre Follower laufen lassen.

Problem ganz kurz zusammengefasst, eine der beiden hat mal den Stil der anderen als Inspiration benutzt und war nicht ehrlich diesbezüglich. Die andere hat das ewig mit sich mitgetragen, aber es eben auch nie auf eine direkte Klärung ankommen lassen, immer nur Leute vorgeschickt. Beide hatten Statements auf ihren Account dazu und mein erster Gedanke war leider… streiten die jetzt wirklich nach so vielen Jahren darüber oder wollen die nur Followerinteraktion generieren? Ein Gedankengang der eindeutig auf die vielen Fakeschlammschlachten auf youtube zurück zu führen ist. Ich bin mir meiner Schuld diesbezüglich durchaus bewusst. Es könnte auch ernst sein. Könnte… aber das ist nicht das Thema des heutigen Eintrages, vielmehr geht es darum sich den Unterschied zwischen Inspiration und Kunstdiebstahl näher anzusehen.

Inspiration vs Imitation!

Kein einziger läuft mit Scheuklappen durch die Welt, ob gewollt oder nicht, wir holen uns Inspiration von anderen. Dieser englische Artikel befasst sich nett damit, ab welchen Zeitpunkt die Inspiration zum Plagiat wird – der Kopie. Laut ihm ist es legal, wenn gesagt wird woher die Kopie ist, sowie um Erlaubnis gefragt, und wird moralisch fragwürdig ab den Zeitpunkt wo es als Eigenwerk benutzt wird und nicht erwähnt wird vorher. Wenn also nicht deklariert wird woher es ist und es zusätzlich als Eigenwerk ausgegeben wird, dann ja… Doppel K.O.

Besonders schlimm kommt es, wenn der ursprüngliche Urheber sich auf einmal gegen Kopiervorwürfe wehren muss, obwohl das Originalwerk doch das Eigene war. Blöd gelaufen. Die Blogautorin des Artikels schlägt vor das Ganze in etwas Positives zu verwandeln, ala „Hey, ich bin so gut, dass ich schon kopiert werde!“. Nett für die eigene Psyche, aber ärgerlich bleibt es wenn Urheber sich gegen Kopiervorwürfe wehren müssen. Zumindest aber ein kleiner Trost. Es ist nur umso trauriger, da oft zumindest eine Kommunikation im Sinne – hey darf ich das benutzen? – komplett ausbleibt und man vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Ich habe im Artikel zum eigenen Stil schon erwähnt, dass große Künstler die Bilder ihrer Vorgänger als Inspiration genutzt haben, bis zur reinen Kopie für Übungszwecke. Im privaten Rahmen vollkommen in Ordnung, aber sobald es kommerziell wird, da streiten sich die Leute heutzutage, meist sogar vor Gericht oder nur online als kleine Hexenjagd.

Ich habe gehört wenn Leute beginnen dich zu kopieren und zu imitieren, dann hast du es geschafft. Dasselbe gilt für eine große Nummer von Spamkommentaren auf einen Blog, aber das ist ein gänzlich anderes Thema. (frei übersetzt aus den Englischen nach Zen. A, Sarkasmuslvl 110)

Vor ewigen Jahren bin ich in einem Workshop gesessen, wo der Unterschied zwischen Plagiat, Hommage, Zitat und noch irgendetwas anderen, genauer besprochen wurde. Das vierte der Reihe war… die Persiflage. Haha, ab und zu ist das Langzeitgedächtnis doch zu was gut. Das Plagiat beschreibt die illegale Kopie von etwas, das als Eigenwerk ausgegeben wird. Die Hommage hat noch Anleihen des Ursprungswerkes, sozusagen als Huldigung, aber ist etwas komplett eigenes. Ich habe für einen Stop Motion Film einmal Frames aus Jan Svankmajers Filmen nachgemalen, weil ich ihn auch in meinem Film haben wollte, sozusagen als Hommage, aber auch schon als freies Zitat, da ich wirklich Frames zitiert habe, doch das Verwandeln in etwas eigenes Gezeichnetes kennzeichnet künstlerische Eigenleistung. Das Zitat ist eine Übernahme, die gewiss bekannt ist durch wörtliche Zitate, doch dies geht auch mit Inhalten. Die Persiflage ist die Verspottung eines Inhaltes durch Übertreibung, auch hier wird nachgeahmt, doch der Humor durch diese Übertreibung steht an erster Stelle. Das Zitat oben ist klar mit sarkastischen Unterton und bezieht sich offensichtlich auf die Aussage, dass man es geschafft hat, berühmt ist, sobald einen Leute kopieren. Tja… es ist aber auch eine klare Persiflage, weil ganz viele Kommentare zwar schön auf einen Blog sind, man wird beachtet, aber keiner will Spam… wirklich niemand. Gleich verhält es sich mit der Inspiration, es ist wunderbar Leute zu eigenen Werken inspirieren – wenn sie durch dich diese zündende eigene Idee bekommen. Betonung auf eigene. Reine Nachahmer mag niemand. Niemand! Vor allen wenn sie mit deinen Sachen noch Kohle scheffeln, das gibt gleich dreifache Minuspunkte. Berühmtes Mangabeispiel wäre Slam Dunk, ein bekannter Basketball Manga, von dem verschiedene Szenen für einen anderen Manga abgezeichnet wurden. Yuki Suetsugu zeigte sich geständig, verlor ihre Stelle bei ihrem Verlag und all ihre Publikationen wurden vom Markt genommen. Es kann also auch wirklich böse enden. Mit Plagiaten ist nicht zu scherzen.

Art Theft is BAD!

Ja, wenn man sich durch das Internet klickt, schreit es von jeder Ecke her. Stehle nicht! Das ist böse! Moral! Bliblablubb… und die haben alle Recht damit. Vor allen da es doch so viele legale Alternativen gäbe. Ja, aber was ist mit den Leuten, die meinen, dass es Art Theft nicht gibt? Tja… die haben auch alle Recht damit. Erst in unserer kommerziellen Welt wird dem ganzen so viel Bedeutung beigemessen, vor allen gibt es eben Inspiration und reine Imitation. Ein jeder muss einmal irgendwo beginnen. Zu Beginn ist es leichter die Idole zu kopieren, ohne Frage, aber jemand der es nicht schafft diese Stufe hinter sich zu lassen, wird auch nie etwas eigenes erschaffen. Bleibt eben einfach als Künstler stecken.

Verschiedene Stile, wie zum Beispiel viele der Anime/Mangastile, eignen sich aufgrund ihrer Einfachheit, nicht so wirklich für den Stildiebstahlvorwurf, besonders wenn jemand einen sehr generischen eigenen Stil entwickelt. Am Ende dieses ersten Beitrages werden ibu_chuan und yoaihime verglichen. Die beiden zeichnen recht ähnlich, aber nicht komplett gleich und eine mögliche Auseinandersetzung aus diesen Gründen wirkt aus der Ferne wie reine Augenauswischerei. Nicht immer ist es gleich Diebstahl und ein privates sachliches Gespräch ohne Vorwürfe sollte bei Möglichkeit an erster Stelle stehen. Also immer erst mit Ruhe an solche Themen herangehen und dann gelassen weitere Schritte setzen, ohne sich von anderen aufstacheln zu lassen. Vielleicht ist es ja in Wirklichkeit gar nicht so schlimm und es gibt für alles eine Erklärung (^.~) Notfalls hat man immer noch das Urheberrecht hinter sich.

Hier will ich auch mal noch ein persönliches Erlebnis aus meiner Vergangenheit wiedergeben. Eines Tages hatte ich das Cover einer Band in mein Skizzenbuch abgezeichnet. Nur privat für mich. Die Nase und der Mund der Figur wurden breiter als bei meinen sonstigen Zeichnungen, da ich mich am Realismus versuchte. Als Tage danach eine Gruppe von Bekannten das Buch durchblätterte, entdeckten sie diese Zeichnung und beschuldigten mich sofort den Stil einer gemeinsamen Bekannten kopiert zu haben. So weit weg von der Wahrheit wie es nur ging, aber da sich so reingeredet wurde dauerte es schier ewig bis es endlich mal wieder ruhig war und ich die Situation erklären konnte. Ich hab ihnen dann einfach das Cover gezeigt und es war gegessen. Wenn es doch nur immer so einfach wäre, oder? Was ich damit sagen will, es lohnt sich nicht Anwalt für eine Person zu spielen ohne die Situation zu kennen. Leute sollten ihr Drama einfach direkt unter sich austragen. In den wenigsten Fällen ist ein Problem so schlimm, dass es gleich eine ganze Hetzjagd rechtfertigt. Innehalten und nochmal drüber nachdenken hat noch niemanden geschadet. Danach ist ja immer noch Zeit für ein wenig Hetze und Verleumndnung, wenn es den sein muss, aber zuallererst gehört der eigene Kopf eingeschaltet! Die meisten Leute können ihren Beef auch ziemlich gut alleine untereinander austragen. Lasst sie einfach mal.

Es gibt wie erwähnt auch gute Wege um inspiriert zu werden. Macht etwas eigenes aus der fremden Idee, behandelt das Originalwerk und die Künstler einfach mit dem Respekt, den sie auch verdient haben. Weißt auf eure Inspirationsquellen hin, genau das hilft den Originalkünstler und ist ein wenig Werbung. Fairness samt Nennung der Originalkünstler ist eben kein rein abstraktes Konzept. Nur die komplette Kopien fertigt lieber nur für euch selbst und Freunde an. Die eigenen besseren Sachen können ja dann immer noch mit Verweis auf den Künstler ins Internet geladen werden, nachdem gefragt wurde ob das okay ist 😉 Nicht alles muss gleich komplett zusammenhangslos als eigenes Werk ausgegeben werden.

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