Laberei, Reviews, Zeichnungen

Zeichnen in der virtuellen Realität, wie ist das so?

Das Eintauchen in den VR(VirtualReality)-Raum wird immer leichter zugänglich und auch die Möglichkeit in Echtzeit in einer virtuell generierten Realität zu zeichnen ist schon lange vorhanden. Dazu benötigt werden ein VR-Headset und eine App, die das Zeichnen dort auch ermöglicht. TiltBrush, CoolPaintVR, GravitySketch, Facebook Quill und wie sie auch immer heißen mögen, vorhanden sind sie in großer Zahl, doch abseits der Programmwahl wie ist das überhaupt generell in VR zu zeichnen?

Handhabung

Brille auf, Controller in die Hand und los geht es. Die Trailer von Apps lassen es so leicht wirken, einfach eintauchen und los geht es. Digitale Artists mit der Möglichkeit richtige Skulpturen einfach so zu zeichnen. In der praktischen Umsetzung hat das ganze mehr von 3D Skulpturen als von Zeichnungen, aber trotz alledem wenig mit den traditionellen Modellieren und Erschaffen von Skulpturen gemeinsam. Viel leichter fällt der Übergang digitalen Zeichnenden oder 3D-Leuten. Die Werkzeuge sind wie beim digitalen Arbeiten durch einen Klick auswechselbar und es gibt verschiedene Pinsel oder dreidimensionale Standardformen (Kugel, Kegel, Zylinder,…) in Programmen wie Tilt Brush oder Gravity Sketch.

Im Video von Gravity Sketch ist erkennbar wie das Modellieren und anfertigten von 3D Objekten mit den verschiedensten Hilfsmitteln beim Zeichnen in VR erleichtert werden kann. Schnelle Prototypen können spielerisch erschaffen werden und zugleich sofort benutzt, als Konzept weitergeleitet oder in anderen Programmen noch am Computer nachgebessert werden.

Der Prozess des Zeichnens wird zum Konstruierens eines 3D Objektes. Verschiedene Pinselstriche erschaffen in ihrer Verflechtung einen menschlichen Oberkörper im Video von Anna Zhilyaeva, einer Virtual Reality Performancekünstlerin. Das Zeichnen selbst wird in der Handhabung zu einer Performance des ganzen Körpers.

Eigene Meinung

Meine ersten Versuche vor einen halben Jahrzehnt waren überschattet von meiner grenzenlosen Begeisterung für VR. Es ging mir dabei viel weniger darum etwas Schönes zu erschaffen, als mehr dieses Erschaffen an sich. Mit einem Pinsel mitten im Raum einfach malen zu beginnen war der Wahnsinn. Kreise, Funken, Wirbel und als Person mittendrin in den soeben erschaffenen Zeichnungen. Es hat sich einfach magisch angefühlt. Auch wenn es nicht so prickelnd ausgesehen hat, einfach dieses Tun an sich hat Freude gemacht. Im Gegensatz zu einem Grafiktablett ohne Display bei dem die Augen-Hand Koordination erst erlernt werden muss ging dies im virtuellen Raum sofort. Skizzenhaftes Zeichnen funktioniert einfach wie auch an diesem Beispiel von Glean Keane erkennbar. Dieses Tun an sich, der erste Schritt ist fast sofort greifbar.

Die ersten Schritte, wie auch im Gravity Sketch Video oben, erinnern sehr an das Erstellen von Drahtgestellen, doch anders in der Realität wird die Physikalität der realen Welt außen vor gelassen. Ein schwebender Katzenkopf – kein Problem. Etwas das alleine vom Aufbau her nie das eigene Gewicht halten kann, der 3D Raum macht es möglich, zumindest solange die Physik außen vor gelassen wird. Es ist ungewohnt, dass beim Zeichnen der ganze Körper zum Einsatz kommt, aber für mich war gerade dies eben das Reizvolle. Zeichnen wurde ein Spiel und anders als beim 3D Modellieren am Computer war alles so viel intuitiver.

erster grauenhafter VR Zeichenversuch aus 2016

ABER… nun das große aber… vor kurzen konnte ich erneut ein VR Zeichenprogramm ausprobieren und das einfach aus Spaß zeichnen, vor sich hin, funktionierte einwandfrei… wenn der Platz zum Zeichnen da ist. Anders als bei anderen Medien besteht die Gefahr, dass Räume zu klein sind oder Gegenstände im Weg stehen. Auch ist das Erlernen eines Zeichenprogrammes immer etwas ganz eigenes, also fällt der Wechsel eines digitalen Artists, der die Sprache von Zeichenprogrammen generell beherrscht, wahrscheinlich leichter als traditionellen Bildhauer*Innen oder Künstler*Innen. Sie müssen viel mehr neu erlenen, aber sparen sich dafür kleine Umdenkereien. Für mich wurde das Zeichnen nach einer Weile auch sehr anstrengend, nicht nur wegen dem vollem Körpereinsatz, sondern auch da Dinge, für die ich einfache Lösungen beim 3D Modellieren oder normalen digitalen Zeichnen kannte, umständlicher waren. Das Erstellen einer Oberfläche benötigt Zeit, das Abschätzen der Controllerempfindlichkeiten Übung und vieles ist am Computer simpler sowie schneller gelöst, weil die jahrelange Übung da ist – das Kennen und Einschätzen der Lösungswege.

Der Einstieg ist sehr simpel und das Erstellen von Dingen dank vieler vorgefertigter Formen und übernommener Workflows aus der 3D Modellierung vereinfacht, doch am Ende vom Tag bist es du als Person die den Controller mehrfach hin und herbewegen muss um etwas zu erschaffen, das halbwegs nach etwas aussieht. Mir macht der Prozess Spaß und es ist eine nette Abwechslung zum in den PC glotzen, doch im Moment bin ich mit herkömmlichen Mitteln einfach schneller. Ich hoffe sehr, dass diese Umständlichkeit, die es mit sich bringt wirklich etwas fertig zu machen, kleiner wird. Schnelles Skizzieren und Konzepte anzuteasern sind ein Traum für mich in VR, jedoch das Arbeiten im Plan ein poliertes Model zu produzieren fühlt sich schwerer an als das es sein müsste. Die Relation von hinein gesteckter Arbeitszeit und was dann am Ende rauskommt demotiviert. Es ist als würde man erneut zeichnen lernen und einfach nicht das hinbekommen was vor den inneren Augen sichtbar wird.

In freudiger Erwartung wird in die Zukunft gesehen, ob mit Übung, mit ausgefeilteren Controllern oder besserer Technik sich das Ganze irgendwann angenehmer anfühlt, aber momentan ist es optimaler für schnelle Konzepte als für fertige Werke. Habt ihr schon mal eines der VR Zeichenprogramme ausprobiert? Was waren eure Eindrücke?

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